2001: 12. Ausgabe

Gewinner und Gewinnerinnen des Goldenen Drachens 2001:

Pokale 2001

Für einen bemerkenswerten Spielfilm

tina

Tina und Nina, Hans-Peter Wernli

Die Begründung der Jury:

Hans-Peter Wernli ist es gelungen, durch ein tragisches Ereignis, die Gefühlswelt einer betroffenen Frau und Mutter, in einer speziellen Familienbeziehung filmisch auszuarbeiten und glaubhaft darzustellen.Wir werden mit einem besonderen Verhaltensmuster konfrontiert. Durch ihre Gedanken, nur noch auf das Kind fixiert, zieht sich die Mutter in eine eigene Welt zurück.Der Verlust des geliebten Kindes verunmöglicht ihr, ihre weitere Beziehung zu Partner und Umwelt. Die Schlusszene deutet darauf hin, dass Tina allmählich wieder in die Wirklichkeit zurück findet.

Marco Stern

Weitere Nominierungen:
La Tranche de vie, Club 88, Porrentruy
Requiem pour une pute, Victor Grijalva

Für eine bemerkenswerte Kamera

cello

Cello Opus 44, Erich Muster

Die Begründung der Jury:

Als ich diesen herrvoragenden Dokumentarfilm entdeckte, musste ich an meine eigene Erfahrung mit Filmen von Handwerkern denken. Auch dachte ich an meine Kusine, die eine bekannte Bassgeigenspielerin ist.
Von Anfang an ist unser Interesse geweckt, die verschiedenen Phasen der Anfertigung eines Cellos zu verfolgen. Der Künstler zählt seine Stunden nicht.
Der Author führt uns durch das Umfeld mit wechselnden Aufnahmen, perfekt und gepflegt. Die Beleuchtung der Werkstatt des Cellobauers ist gut dosiert. Der Rhythmus des Geschehens ist wohl langsam, aber nötig damit wir den Arbeitsvorgang verstehen.Wir bedauern manchmal, dass wir den Geruch des Holzes nicht wahrnehmen: dieses edle Material.
Die Kamera bleibt aufmerksam und diskret, während den ganzen 23 Minuten habe ich mich keinen Moment gelangweilt. Die heutige Tendenz ist, dass gewisse Werke verzitterte Aufnahmen zeigen mit dem Vorwand, dass sie realistischer wirken. In dieser Stimmung - ein wenig zeitlos - brauchen wir diese Bewegung nicht. Es hat mir auch sehr gut gefallen, dass der Author das Aushängeschild des Handwerkers und dessen Schatten zeigt.

Daniel Richard

Für eine bemerkenswerte Montage

fanatisme

Fanatismus, Jean-Claude Brussino

Die Begründung der Jury:

Der Film zeigt uns den Horror, welcher von den Nazis in ganz Europa verbreitet wurde. Er benutzt Aufnahmen vom heutigen Zustand dieser Orte, verbunden mit Archivaufnahmen, mit dem Schwerpunkt der Greueltaten in Ouradour und Auschwitz. Die heutigen Aufnahmen sind beeindruckend und die harte Montage vertieft noch deren Eindruck. Die leeren Strassen von Ouradour wirken bedrückend. Das alte Aushängeschild "Metzgerei" hat nach der Passage der SS einen neuen Sinn bekommen, welcher vom Autor gekonnt eingesetzt wurde. Durch eine subtile Montage hat der Filmer erreicht, die Stimmung vom Horror von Auschwitz nach zu vollziehen, ohne uns mit schauerlichen Bildern zu berieseln. Zudem hat er durch gekonnten Schnitt, das heisst, Mausklicken am Computer, den Touristen - Voyeurismus, der im bekanntesten Konzentrationslager vorherrscht, ausgelöscht. Die Kameraarbeit ist von hohem Niveau, aber ohne eine entsprechende Montage sinnlos.

Michel Juillerat

Für einen bemerkenswerten Film mit soz. hum. Thema

Mit anderen Augen, Christian Ziörjen

Die Begründung der Jury:

Christian Zijören entwirft uns ein einfühlsames Portrait von zwei sehbehinderten Jugendlichen. Die Portraitierten bewegen sich in einem unterschiedlichen Umfeld.Dem Author gelingt es, dem Zushcauer eine differenzierte Perspektive gegenüber den Behinderten zu öffnen. Der Film verzichtet auf jegliche "Gefühlsduselei" und ist in erfinderischer Art gestaltet, die auch den Humor nicht vermissen lässt.Beeindruckend ist die filmische Umsetzung und Gestaltung, umso mehr weil es sich hier um ein Erstlingswerk handelt.

Brigitta Rusca

Für einen bemerkenswerten Ton

leben

Leben zwischen Land und Meer, Manfred Klein

Die Begründung der Jury:

Im Gegensatz zu seinen üblichen Filmen im Tieftauchgebiet, verweilt Manfred Klein in dieser Produktion im Zwischengebiet, der Meeresuferzone, in die wir schon durch die spezielle Titelgestaltung eingeführt werden. Sehr schöne Bilder vermitteln uns das Leben und Ueberleben unter speziellen, extremen Umweltgegebenheiten Unterstützt werden die interessanten Einblicke durch einen kompetenten, kurz gehaltenen Kommentar. Die gewählte Musik ergänzt Wort und Bild vortrefflich.

Catherine Müller

Weitere Nominationen:
Fanatisme, Jean-Claude Brussino

Für einen Film mit bemerkenswerten ökologischen Aspekten

Seepferdchen, von Kurt Beuret

Die Begründung der Jury:

Einmal mehr zeigt uns Kurt Beuret eine Rarität aus der Tierwelt. Dabei beweist der Film, dass der Lebensraum vieler Meeresbewohner bedroht ist und wir ihn schützen und erhalten müssen. Diesmal führt er uns in das Geheimnis der Seepferdchen ein. Ein Tier, welches vom Namen her bekannt ist, dessen Verhalten und Eigenschaften den meisten jedoch bis anhin verborgen blieben. Eindrücklich wird uns dargestellt, wie diese Tiergattung uns punkto Arbeitsteilung und Emanzipation weit voraus geschritten ist. Dank dessen, dass diese Lebewesen in Aquarien gehalten werden können, wird uns dieser wundersame Einblick ermöglicht.

Marco Stern

Weitere Nominationen:
Leben zwischen Sand und Meer, Manfred Klein
Cocos - Oase im Pazifik, Edwin Meier

Für ein bemerkenswertes Dokument

Violins an other friends, Roland Achini

Die Begründung der Jury:

Hummelflugartig gleitet die Kamera über die Musiker eines Streichorchesters und bettet seinen Film in die Basisstruktur von Musik und Handwerk ein. Durch eine gut eingesetzte Bildüberlagerung wird die Verbundenheit der Atelierarbeit zum Interpreten vortrefflich illustriert. Die Interpreten sind nicht nur Kunden. Sie sind auch Freunde und Wegbegleiter, die nicht nur das Kunsthandwerk schätzen, sondern dem Geigenbau auch die Basis bieten, weiterhin im eigenen Land zu wirken und etwas zu bewirken!

Brigitta Rusca

Weitere Nominierung:
Kapellen, von Werner Kropik

Für eine bemerkenswerte Darstellerin

requiem einer hure

Requiem für eine Hure, Victor Grijalva

Die Begründung der Jury:

Dieser Film berührt uns, weil er ein Problem aufwirft, welches so alt ist wie die Welt. Die "Huren" sind beliebt durch ihre diskrete Art, der "Menschheit" zu dienen, ohne dadurch einen Ehrenplatz zu erlangen. Der Autor zeigt uns in einer Intimsphäre die Scheinheiligkeit der Menschheit. Er zeigt eine unglückliche, einsame junge Frau. Wird sie - ja oder nein - das Kind von einem unbekannten Vater behalten?Die Wahl der Darstellerin ist perfekt und sie wird vom Autor gut geleitet. Viele Gefühle widerspiegeln sich in den Augen. Sie drückt mit viel Kraft ihre Gebrechlichkeit und Nervosität aus, bis zum Selbstmordversuch, glücklicherweise im letzten Moment unterbrochen. Ihr Zigarettenrauchen ist momentweise übertrieben hektisch. Ihre verbale Ausdrucksweise, nicht sehr gewählt, kommt aus ihrem Innersten heraus. Trotz allem findet sie ihr Lächeln wieder. Nachdem ihr ein Kind eine Blume schenkt und sie diese annimmt, trocknet sie ihre Tränen. Sie fasst wieder Vertrauen, den schwierigen Weg einer ledigen Mutter zu gehen. Die Vielfältigkeit dieser begabten Interpretin, hat die Auswahlkommission dazu bewegt, ihr den Preis der besten Darstellerin zuzusprechen.

Daniel Richard

Jury 2001

Daniel Richard, Cathrine Müller, Beat Schildknecht (Präsident), Marco Stern, Michel Juillerat, Brigitta Rusca (v.l.n.r)  

jury 2001
D. Richard, C. Müller, B. Schildknecht (Präsident),M. Stern, M. Juillerat, B. Rusca (v.l.n.r)
Festivalpartner